​Charlies Happy End


​Servus und Hallo auf meinem Blog! Schnapp dir heute einen extragroßen Eistee, lehn dich zurück und mach dich bereit für eine Geschichte, die zeigt, wie aus dem absoluten Chaos ein echtes Wunder werden kann. Eine Geschichte über Liebe, schwere Entscheidungen, mutige Wege und das schönste Happy End, das ich mir als Trainerin nur wünschen kann!
​Wenn wir uns einen Hund ins Leben holen, haben wir ein bestimmtes Bild im Kopf, entspannte Spaziergänge, Kuscheleinheiten auf dem Sofa, ein Begleiter im Alltag, der einfach „mitläuft“. Auch Ramona und Michael haben sich ihr Zusammenleben mit einem Hund genauso vorgestellt. Doch die Realität sah erst einmal völlig anders aus.
​Aus den Wünschen wurde ein Weg voller Hürden und extremer Herausforderungen. Und genau deshalb feiere ich diese Familie heute so unfassbar arg! Sie hatten eine ganz andere Erwartung und sind den steinigen Weg trotzdem gegangen.


​Charlie ist ein kleiner Mischling, rund 7 Kilo geballte Reaktivität und Unsicherheit. Seine Biografie begann unter den denkbar schlechtesten Voraussetzungen. In einer "Hobbyzucht" wurde er ziemlich sicher, viel zu früh der Mutterhündin entrissen. Das war ein dramatischer, neurobiologischer Einschnitt in einer Phase, in der das Nervensystem dringend die Ko-Regulation der Mutter brauchte.
​Danach landete er als Welpe in einer Familie mit - ich glaube es waren über elf Kindern. Nach kurzer Zeit ging es zurück zur Züchterin und schließlich mit etwa einem Jahr zu Ramona und Michael. Schon sein Einzug war pure Verantwortung. Er kam an, das Fell glich einer Matte, und musste erst einmal aufwändig gereinigt, versorgt und aufgepäppelt werden.
​Doch als Charlie anfing, Fuß zu fassen, brach ein Zustand über die Familie herein, der das gesamte Leben auf den Kopf stellte.
​Die Küche als Schlachtfeld, denn in seiner inneren Unruhe, seinem Frust tanzte er auf der Theke, räumte er in der Küche alles ab, was zu fassen war – von Mehl über russischen Zupfkuchen bis hin zu Lebkuchen.


​Ramona führt die wunderbare Gesundheitspraxis Pure Women direkt im Haus. Sobald sie außer Sichtweite war oder Charlie wegen der Patientinnen verständlicherweise nicht im Behandlungsraum sein durfte, geriet er in absolute Panik. Auch für Michael und seine Video Content Fabrik war es bei Drehs mit fremden Menschen eine Belastung.
​Sobald Besuch kam oder draußen Reize auftauchten, entlud sich Charlies Überforderung in unkontrollierbarem Gebelle. Er hat die Menschen nie gebissen, aber er hat sein gesamtes Umfeld durch sein Verhalten psychisch enorm gefordert.

​Charlies Gehirn befand sich durch die frühen Traumata in einem chronischen Ausnahmezustand. Wir sind das Thema von allen Seiten fachlich fundiert angegangen.
​Sorgfältiges Heranpendeln an Reize zur Desensibilisierung.
​Gezieltes Entspannungstraining & Körperarbeit durch Tellington T-Touch.
​Achtsamkeitsspaziergänge zur Dosierung der Umwelteindrücke.
​Ein kompletter medizinischer Organ-Check, Tryptophan, Nervenkräuter und intensive Einzelstunden.
​Als Trainerin war es mir in dieser schweren Phase extrem wichtig, den beiden immer die Wahl offen zu halten: Ich habe Ramona und Michael gesagt, dass es absolut okay ist, wenn sie Charlie abgeben möchten. Wenn die eigenen Kapazitäten erschöpft sind und ein Hund das Leben und die berufliche Existenz so massiv belastet, darf man diese Option ohne Scham aussprechen. Ich hätte sie in jeder Entscheidung unterstützt!
​Aber Ramona, Michael und ihre Söhne schauten sich an und wussten: Wir geben nicht auf. Wir gehen diesen Weg weiter.

​Da Charlies Gehirn durch den Dauerstress biologisch gar keine Trainingsreize verarbeiten konnte, holten wir eine Spezialistin für Verhaltensmedizin mit ins Boot.
​Es ging nicht darum, Charlie „ruhigzustellen“. Es ging darum, die neurochemische Schieflage auszugleichen und seinem Nervensystem überhaupt erst die Hand zu reichen. Die Medikation war die Brücke, die unser gewaltfreies Training überhaupt erst im Hundehirn andocken ließ!

​Als ich Charlie nach etwa fünf bis sechs Monaten Wiedersehen konnte, kamen mir die Tränen der Rührung! Vor mir stand ein zugänglicher, durchaus coolerer Hund, der seine Umwelt endlich wahrnehmen konnte.
​Heute ist Charlie nicht mehr wiederzuerkennen.
​Besuch? Fremde Menschen können kommen, ohne dass Charlie eklatant hochfährt.
Wenn es doch mal aufregend wird, trägt Charlie stolz seine Beißwurst im Maul, um sich selbst zu regulieren.
In der Nasenarbeit hat sich gezeigt, was für ein fantastischer Hund in ihm steckt! Das Suchen lastet ihn mental perfekt aus und schenkt ihm pure Freude.
​Aus dem ehemals unkontrollierbaren Sorgenkind ist ein richtig toller Gefährte geworden.
Ich feier euch von Herzen!


​Liebe Ramona, lieber Michael, liebe Jungs:

Ich feier euch einfach voll arg! Ihr hattet ganz andere Erwartungen an das Leben mit Hund. Ihr hättet jeden Grund gehabt, Handtuch zu werfen und niemand hätte es euch übel genommen.
​Aber ihr habt Verantwortung bewiesen, ihr habt durchgehalten, weggesteckt und eurem Hund die Chance seines Lebens gegeben. Charlies Happy End ist EUER Verdienst!
​Danke, dass ich euch auf diesem Weg begleiten durfte und weiterhin darf. Ihr zeigt, was echte Liebe, Zusammenhalt und moderne Verhaltensarbeit bewirken können!


​Habt ihr auch eine Erfolgsgeschichte zu Hause, bei der sich das Durchhalten am Ende zu 100 % gelohnt hat? Erzählt mir davon in den Kommentaren!


​Eure Vanessa

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