Die große Social-Media-Lüge
Servus und Hallo auf meinem Blog. Schön, dass du da bist. Schnapp dir heute unbedingt was zu knabbern, ein gutes Getränk, lehn dich zurück und lass uns über ein Thema sprechen, das mir schon unheimlich lange unter den Nagel brennt. Es ist der Grund, warum ich mich aus dem aktiven Social-Media-Hamsterrad herausgenommen habe.
Die große Social-Media-Lüge, die gefährliche Flut an schnellen Tipps und das, was dieses System psychisch und seelisch mit uns anstellt.
Vielleicht hast du es gemerkt, meine Instagram-Seite existiert zwar noch, und ich schau auch gelegentlich mal rein, aber ich bin net mehr jeden Tag aktiv drin. Ich erstelle keine Reels oder Beiträge mehr, nur um krampfhaft neue Follower zu gewinnen oder ein perfekt inszeniertes Bild nach außen zu präsentieren.
Dieser unerbittliche Algorithmus und der ständige Druck im Netz können verdammt schnell krank machen. Es frustriert, es raubt Energie und es kann das eigene Leben auf verheerende Weise negativ beeinflussen. Und noch viel schlimmer, Social Media hat eine Diskussions- und Trainingskultur erschaffen, die im echten Leben einfach nur noch brandgefährlich ist.
1. Das gefährliche „Rumgedoktore“: Der Mythos der Social-Media-Ferndiagnose
Es ist mittlerweile absolut erschreckend, was im Netz passiert. Da wird ein kurzes Video von einem knurrenden, ängstlichen oder gestressten Hund hochgeladen und darunter bricht in den Kommentaren sofort die wilde Hobby-Diagnostik aus. Es werden ungefiltert pauschale Trainingstipps gegeben und das Schlimmste ist, die Menschen nehmen das an. Sie probieren es einfach aus und „doktorn“ an ihren hochempfindlichen, oft ohnehin schon überforderten Hunden herum.
Lass es uns ganz deutlich sagen: Ferndiagnosen im Hundetraining sind russisches Roulette.
Jedes Verhalten hat einen Grund und einen Kontext. Was bei dem einen Hund eine Übersprungshandlung aus purer Angst ist, ist beim nächsten ein medizinisches Problem durch Schmerzen. Wenn du hier ohne tiefes Fachwissen, ohne den Hund persönlich zu kennen, einfach mal einen Tipp aus einem Instagram-Kommentar ausprobierst, kannst du das Verhalten net nur massiv verschlimmern, sondern das mühsam aufgebaute Vertrauen deines Hundes in Sekundenschnelle komplett zerstören. Hundetraining ist Handarbeit vor Ort, keine Fließbandarbeit im Netz.
2. Das System Instagram, warum sind wir darin so gefangen?
Um zu verstehen, warum wir überhaupt in dieser Schleife feststecken, müssen wir das System mal ganz nüchtern betrachten. Wozu gibt es diese Plattformen eigentlich und wer profitiert davon?
Die Plattformen wie Instagram und TikTok sind riesige Aufmerksamkeitsmaschinen. Ihre Währung ist deine Lebenszeit. Der Algorithmus ist darauf programmiert, dich so lange wie möglich auf der App zu halten. Und was hält uns am längsten? Extreme Gefühle. Perfektion auf der einen Seite, tiefe Empörung oder Schock auf der anderen.
Die Creator, sie brauchen Klicks und Reichweite, um für Werbepartner interessant zu bleiben. Ein ehrlicher Post, der sagt, dass es auf den Einzelfall ankommt und man sich das genau anschauen muss, bringt keine Klicks. Ein reißerischer „3-Schritte-Plan für den perfekten Hund“ dagegen schon.
Die Werbeindustrie, nutzt unsere Unsicherheit. Je unzulänglicher wir uns durch die perfekt inszenierte Scheinwelt fühlen, desto eher kaufen wir das nächste Heilsversprechen, sei es das stylische Hundebett, das Superfood-Pulver oder das Online-Coaching, das angeblich in fünf Minuten alle Probleme löst.
Wir sind in diesem System gefangen, weil es psychologisch genau auf unser Belohnungszentrum im Gehirn gut zugeschnitten ist. Das ständige Scrollen funktioniert wie ein Spielautomat, bei dem vielleicht beim nächsten Wisch der eine Tipp kommt, der endlich alles einfacher macht.
3. Wenn die Empathie zum Fluch wird
Es gibt aber noch eine Kehrseite dieser Bilderflut, unter der ich und viele andere empathische Menschen extrem leiden - die Tierschutz-Beiträge, in denen unzensiert und ohne jede Vorwarnung gezeigt wird, wie Tiere gequält und misshandelt werden.
Ich weiß, dass es wichtig ist, dieses Elend sichtbar zu machen. Der Tierschutz braucht diese Aufmerksamkeit, um Spenden zu sammeln und zu helfen. Aber das unvorbereitete Reingeklatscht-Bekommen dieser grausamen Bilder ohne jegliche Triggerwarnung ist psychischer Terror für unser Gehirn.
Was passiert da in unserem Kopf?
Unser Gehirn ist evolutionär überhaupt net für diese globale Masse an Elend ausgelegt. Früher war unser Nervensystem darauf eingestellt, die Probleme unseres kleinen Stammes zu verarbeiten. Heute wird unser Gehirn per Knopfdruck mit dem gesammelten, grausamsten Leid der gesamten Welt geflutet.
Wenn du diese Bilder unvorbereitet siehst, schießt dein Alarmzentrum im Gehirn sofort hoch. Unsere Spiegelneuronen sorgen dafür, dass wir den Schmerz des Tieres körperlich und emotional mitempfinden. Da du in dem Moment aber handlungsunfähig bist, weil du dem Tier durch den Bildschirm durch akut net helfen kannst, rutscht unser Nervensystem in eine tiefe, chronische Ohnmacht. Das Gehirn kann dieses permanente, globale Leid net verarbeiten, ohne selbst Schaden zu nehmen. Wir fühlen uns nur noch erschöpft, hilflos und ausgebrannt.
4. Wenn du gerade einfach nur müde bist: Dein Weg aus dem Nebel
Vielleicht liest du das hier und spürst eine tiefe, bleierne Erschöpfung in dir. Du hast das Gefühl, egal was du tust, es ist falsch. Auf der einen Seite schreit das Netz: „Du musst dich durchsetzen, du bist zu weich!“, auf der anderen Seite heißt es: „Wenn du einmal korrigierst, machst du die Seele deines Hundes kaputt!“. Du stehst mitten im Wald, dein Hund bellt, und du willst eigentlich nur noch weinen, weil du dich so unfassbar verunsichert fühlst.
Ich möchte dir heute etwas sagen, das du vielleicht schon lange net mehr gehört hast: Es ist okay, dass du müde bist. Und du darfst jetzt sofort den Druck rausnehmen.
Wenn du net weißt, wie du aus dieser mentalen Sackgasse herauskommen sollst, fangen wir heute gemeinsam mit drei ganz einfachen Schritten an:
Der Informations-Stopp: Schließe all die geöffneten Tabs auf deinem Handy. Suche net nach der zehnten Lösung für euer Problem. Atme durch. Dein Hund wird net innerhalb der nächsten drei Tage verziehen, nur weil du mal kurz eine Pause vom Training machst.
Zurück zum Wesentlichen: Ist dein Hund satt? Hat er einen warmen, sicheren Schlafplatz? Hat er keine Schmerzen? Liebst du ihn und beschützt du ihn vor Gefahr? Wenn du diese Fragen mit Ja beantworten kannst, dann machst du das bereits großartig. Den Rest sortieren wir später.
Die Erlaubnis zur Unperfektheit: Ihr müsst heute keine perfekte Runde drehen. Wenn euch heute nach einem gemütlichen Tag auf dem Sofa ist, an dem ihr euch einfach nur anschaut, dann ist das genau richtig. Eure Beziehung repariert sich über Ruhe und echtes Wohlbefinden, net über den perfekten Gehorsam auf dem Gehweg.
5. Mein eigener Weg zur Veränderung
Wer mich und meine Arbeit kennt, weiß, Gewalt gegenüber Mensch und Tier, egal ob körperlich oder psychisch, ist für mich ein absolutes, unverhandelbares No-Go.
Ich selbst habe an einem Hund noch nie körperliche Gewalt angewendet. Aber ich bin in einer jagdlich ambitionierten Familie großgeworden, umgeben von Dienst- und Sporthunden. In diesem Umfeld war ein sehr rauer, harter Ton an der Tagesordnung. Und das Bittere ist, ich habe diese Gewalt damals beobachtet und sie lange Zeit für völlig normal und richtig empfunden.
Heute weiß ich, dass diese Akzeptanz auch ganz tief damit zu tun hatte, was in meiner eigenen menschlichen Erziehung passiert ist. Wenn man selbst so aufwächst, hinterfragt man diese Muster erst mal net.
Das Gute ist, wir können uns verändern. Und ich habe mich verändert. Ich habe mich für einen völlig neuen, gewaltfreien Weg entschieden. Aber dieser Schritt war verdammt hart. Ich wurde aus einem großen Teil meines alten Umfeld verstoßen, gemobbt, ignoriert und öffentlich zur Schau gestellt. Ich habe einen sehr hohen Preis für meine Veränderung bezahlt. Und genau deshalb liegt mir eines so sehr am Herzen: Wir müssen verdammt noch mal aufpassen, wie wir mit Menschen, Tieren und überhaupt mit uns selbst umgehen.
Nicht jeder kann aus freien Stücken sofort aus seinem alten Umfeld ausbrechen. Manche Menschen stecken so tief in familiären oder sozialen Zwängen fest, dass sie Zeit und Hilfe brauchen. Und nicht jeder kann diese Hilfe sofort annehmen, sei es aus Angst, aus Scham oder aus reiner Überforderung. Wenn wir diese Menschen im Netz sofort beschimpfen, radikal verurteilen und als schlechte Menschen abstempeln, treiben wir sie nur noch tiefer in ihre alte Welt. Unsere Türen müssen für diejenigen, die zweifeln und sich verändern wollen, unbedingt offen bleiben. Nur so können wir ihnen den Mut geben, den schweren Schritt heraus zu wagen.
6. Ein riesengroßes DANKE an die Pioniere des gewaltfreien Trainings!
Dass sich die Hundewelt heute so grundlegend verändert hat und der gewaltfreie Weg immer mehr zum Standard wird, verdanken wir den Menschen, die unermüdlich für die Wissenschaft und das Wohl der Tiere aufstehen.
Ich möchte heute ein ganz tief empfundenes Danke aussprechen
An alle Fachkräfte der Hundewelt, die tagtäglich zeigen, dass Training komplett ohne Druck, Schmerz und Angst funktioniert.
An die Wissenschaftler, die das Lernverhalten und die Gefühle von Hunden immer besser erforschen.
An all die Hundehalter, die ihre private Zeit als Probanden in Studien opfern, um diese Forschung überhaupt erst möglich zu machen.
WIR SIND VIELE
Ihr alle zeigt der Welt, wie es richtig geht, nämlich gewaltfrei, mit Mitgefühl und auf Augenhöhe.
7. Mein Blog, meine Regeln
Genau aus diesen Gründen teile ich meine Gedanken hier auf meinem Blog und net auf Social Media. Hier ist Raum für ehrlichen, feinfühligen und respektvollen Austausch.
Auf Social Media wird man net nach seiner ehrlichen Meinung gefragt, sondern man bekommt sie ungefragt um die Ohren gehauen. Und dieses aggressive, ungefragte Drunter-Rotzen von Kommentaren, ohne Rücksicht auf die Gefühle des Gegenübers zu nehmen, ist für mich keine Meinungsfreiheit mehr. Es ist oft nur noch Frustabbau und pure Radikalität.
Lass uns im echten Leben wieder respektvoll aufeinander zugehen. Lass uns Fragen stellen, anstatt sofort zu verurteilen. Wir kennen die Geschichte hinter dem anderen Menschen und seinem Hund meistens überhaupt net.
Wie geht es dir, wenn du das liest? Hast du dich selbst schon mal in dieser tiefen Erschöpfung wiedergefunden, bei der du vor lauter Tipps im Wald standest und einfach net mehr weiterwusstest? Lasst uns hier in den Kommentaren einen sicheren Ort schaffen, an dem wir ganz ehrlich, wertschätzend und ohne Vorurteile miteinander sprechen können. Ich bin für dich da.
Deine Vanessa
