Tüten-Verweigerer & Tretminen-Romantik
Es gibt Dinge im Alltag als Hundehalter, über die man sich eigentlich nicht unterhalten müsste, weil sie zum absoluten Grundwissen menschlicher Zivilisation gehören sollten. Füße anheben beim Gehen, den Einkaufswagen nach dem Ausladen wieder an seinen Platz stellen, und die Scheiße des eigenen Hundes aufheben. Punkt.
Aber nein. Geht man durch Wohngebiete, über Gehwege oder raus auf die Feldwege, bekommt man das Gefühl, manche Halter verwechseln die Umwelt mit der persönlichen Latrine ihres Vierbeiners. Und der absolute Dauerbrenner unter den Ausreden? „Och, mir sind doch do draußen auf’m Feldweg, des isch doch Natur!“
Spoiler-Alarm: Noiiiii, isch es net. Es isch oifach nur asozial. Und nein, wir reden hier nicht von der kleinen, ausgewiesenen Lösefläche am Ortsrand oder dreißig Zentimeter tiefem Dickicht im Wald, wo nie jemand seinen Fuß reinsetzt. Wir reden vom Wegesrand, vom festgetretenen Feldweg, von Vorgärten, Blumenkästen, Restaurants, Autos, Hauswänden und Wiesen, auf denen täglich Menschen und Tiere unterwegs sind.
Bevor du wieder die Augen rollst, die Haltung eines Hundes ist kein rechtsfreies Freizeitvergnügen, sondern an klare gesetzliche Grundlagen gebunden. Auch wenn ein formaler „Hundeführerschein“ (Sachkundenachweis) je nach Bundesland und Rasse unterschiedlich geregelt ist, gilt bundesweit für jeden Tierhalter das deutsche Tierschutzgesetz.
In § 2 TierSchG ist glasklar verankert:
„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.“
Das bedeutet, dass du gesetzlich die fachliche Sachkunde besitzen musst, um deinen Hund sicher und verantwortungsvoll durch die Gesellschaft zu führen. Dazu gehört nicht nur zu wissen, welches Futter im Napf landet, sondern vorausschauendes Verhalten und Rücksichtnahme gegenüber Umwelt und Mitmenschen. Wer seinen Hund unkontrolliert an fremdes Eigentum pissen lässt oder dessen Haufen ignoriert, beweist schlichtweg, dass es an dieser geforderten Grund-Sachkunde und Einsicht im Alltag fehlt.
Hundeurin ist chemisch aggressives Ammoniak. Es frisst sich in Putz, Fassaden und Gastronomie-Eingänge. Wenn dir jemand regelmäßig an die Haustür oder die Schaufensterscheibe schiffen würde, fändest du das sicher auch extrem charmant, oder?
Autoreifen verbleichen und rosten, Bepflanzungen in fremden Vorgärten und Blumenkästen verbrennen durch den Urin und sterben ab. Das ist Sachbeschädigung an fremdem Eigentum – nix anderes.
Ein Schnüffeln reicht schon aus um den Ketteneffekt bei Hunden auszulösen.
Viele Ausreden-Könige argumentieren gern: „Mein Hund frisst doch keine Kacke, der läuft da nur vorbei!“
Herzlichen Glückwunsch, du hast die Biologie deines eigenen Tieres nicht verstanden. Ein Hund muss Kot nicht fressen, um sich mit hochgefährlichen Erregern zu verseuchen.
Hunde erkunden ihre Welt mit der Nase. Wenn dein Hund an einem liegengelassenen Haufen snifft, passiert Folgendes: Durch das feuchte Nasensekret und das tiefe Einatmen haften Giardien-Zysten, Parvoviren oder mikroskopisch kleine Spulwurmeier augenblicklich an seiner Nase. Einmal kurz drübergeleckt – zack, Infektion perfekt.
Wer den Kot seines Hundes liegen lässt, ist direkt dafür verantwortlich, dass sich der nächste Hund beim ganz normalen Schnüffeln am Wegesrand Würmer, blutige Durchfälle oder monatelange Darmparasiten einfängt. Das ist keine „Natur“, das meint mutwillige Verseuchung des gesamten Gassigebiets für alle anderen Hundehalter!
„Ich würde doch sehen, wenn mein Hund Würmer hat!“
Das ist der absolute Höhepunkt der Besserwisser-Ausreden: „Mein Hund ist gesund, im Kot ist nix zu sehen!“
Wer das behauptet, hat im Biologieunterricht geschlafen. Parasiten wie Peitschenwürmer, Hakenwürmer oder Spulwürmer sind nicht blöd. Das Ziel eines ausgewachsenen Wurms ist es, sich im Darmtrakt deines Hundes festzuhaken und dort zu bleiben. Die Würmer wandern nicht freiwillig als Ganzes nach draußen!
Was der Hund ausscheidet, sind millionenfache Wurmeier. Und die sind mikroskopisch klein – für das bloße menschliche Auge absolut unsichtbar!
Peitschenwürmer (Trichuris vulpis) vergraben sich tief in der Dickdarmwand. Sichtbar? Null! Erst im Labor per 3-Tage-Sammelkotprobe unter dem Mikroskop nachweisbar.
Hakenwürmer (Ancylostoma) beißen sich in der Schleimhaut fest und saugen Blut. Ausgewachsene Würmer sieht man im Kot nie – nur die winzigen Eier im Flotationsverfahren im Labor.
Die Faustregel besagt, wenn du mit bloßem Auge einen ausgewachsenen Wurm im Kot liegen siehst, ist der Darm deines Hundes bereits so exzessiv überbevölkert, dass die Parasiten keinen Platz mehr haben.
Wer wartet, bis man Würmer sieht, hat die Gesundheitsvorsorge schon längst verspielt.
Schauen wir uns doch mal um, wer hier auf den Wegen unterwegs ist: Wir haben hier direkt um die Ecke ein Seniorenheim und betreutes Wohnen. Hier gehen viele ältere, gehbeeinträchtigte Menschen spazieren. Und hinten auf den Feldwegen lernen Kinder das Fahrradfahren.
Da ist ein Tretminen-Haufen auf dem Weg nicht nur „eklig“, sondern brandgefährlich!
Wenn ein älterer Mensch mit dem Rollator oder Gehstock auf einer frischen, nassen Kackspur ausrutscht, endet das ganz schnell mit einem Oberschenkelhalsbruch. Und wenn die Kleinen, die gerade ohne Stützräder wackelig unterwegs sind, auf dem Schmierfilm wegrutschen, knallen sie ungebremst auf den Schotter.
Wer meint, Kot sei bloß altes Futter, sollte mal ein Mikroskop bemühen. Hundekot ist eine biologische Schleuder für jeden, dessen Immunsystem nicht auf 100 % läuft.
Bakterien (Salmonellen, Campylobacter, E. coli) lösen bei Senioren schwere Magen-Darm-Infekte aus. Die Larven des Hundespulwurms (Toxocara canis) können nach einer Schmierinfektion beim Menschen durch den Körper wandern (Viszerales Larva migrans) und Organschäden oder Erblindung verursachen. Kinder greifen beim Hinfallen in die Erde und haben die Eier an den Fingern.
Ich habe noch mehr Argumente um dir genau aufzuzeigen was du mit deiner Rücksichtslosigkeit anrichten kannst!
Wer glaubt, der Feldweg gehöre niemandem, vergisst die Landwirte, die hier täglich schuften. Bei uns wird massiv Raps, Mais, Sonnenblumen und Futter für die regionalen Pferdeställe angebaut.
Und nein, der Kot am Rand verrottet nicht einfach friedlich.
Wenn der Landwirt mit dem Mähdrescher oder Rasenmäher die Wegränder und Felder schneidet, erfasst die Maschine deine liegengelassenen Haufen. Der Kot wird mit mehreren hundert Umdrehungen pro Minute feinsäuberlich zerkleinert und flächendeckend in den Raps, den Mais oder die Sonnenblumen geschleudert.
Hundekot im Pferdefutter (Heu oder Silage) führt zu Fehlgärungen, Schimmelpilzbildung und tödlichen Koliken bei den Pferden. Der Erreger Neospora caninum im Hundekot führt bei trächtigen Kühen zu qualvollen Fehlgeburten.
Ob Speiseöl aus Raps und Sonnenblumen oder Mais – niemand möchte Fäkalbakterien und Parasiteneier in der Nahrungskette haben.
Mal ganz abgesehen von Recht, Nachbarn und Pflanzenschutz, wer die Hinterlassenschaften seines Hundes einfach im Gras liegen lässt und schnell weiterdackelt, verpasst das beste, kostenloseste und ehrlichste Feedback-System, das die Natur zu bieten hat.
Die Konsistenz, Farbe und Textur des Kots sind die Visitenkarte des Darm-Mikrobioms und des Stoffwechsels.
Dunkler, fast schwarzer Kot oder rote Schlieren? Ohne Hinkucken und Aufheben merkst du Magenblutungen oder Darmentzündungen erst, wenn der Hund kollabiert.
Wer nicht hinschaut, sieht nicht, dass der Darm mit Schleimbeimengungen um Hilfe schreit, weil das Futter nicht vertragen wird oder Giardien die Darmwand zerfressen.
Ein Hund, der dreimal am Tag Brei oder Riesenberge absetzt, hat kein funktionierendes Verdauungssystem. Die Nährstoffe rauschen ungenutzt durch.
Wer den Kot seines Hundes nicht aufhebt, beweist nicht nur Faulheit, sondern auch absolute Blindheit gegenüber der Gesundheit des eigenen Tieres.
Auffälligkeiten im Tütle entdeckt? Schluss mit Mutmaßungen!
Wenn du beim Aufheben merkst, dass die Konsistenz dauerhaft zu weich ist, die Farbe nicht stimmt oder der Magen-Darm-Trakt deines Hundes ständig Achterbahn fährt: Hör auf, auf gut Glück das nächste Futter aus dem Supermarktregal auszuprobieren.
Mit meiner testergebnisbasierten Gesundheits- und Ernährungsberatung bringen wir Licht ins Dunkel. Anstatt im Trüben zu fischen, analysieren wir, um die tatsächliche Ursache der Verdauungsprobleme zu ermitteln. So bekommt dein Hund exakt die Nährstoffe und die Unterstützung, die sein Körper und sein Mikrobiom wirklich brauchen.
Du dachtest, die Gruber hat jetzt aber wirklich alles auf den Tisch gelegt - dann schnapp dir spätestens jetzt nen Kaffee und lehn dich etwas weiter vor zum Bildschirm.
Als wäre die gesundheitliche und ökologische Sauerei nicht schon genug, tun diese Halter nicht selten auch ihrem eigenen Hund keinen Gefallen. Denn das ständige, unkontrollierte Pinkeln und Kacken an jedem Wegesrand ist oft eng gekoppelt an territoriales Verhalten.
Bei einem territorial motivierten Hund kann regelmäßiges Markieren und Kontrollieren eines Weges dazu beitragen, dass dieser Bereich in sein territorial relevantes Verhalten einbezogen wird. Deshalb kann es sinnvoll sein, das intensive Markieren auf dem Weg vom Haus zum eigentlichen Spaziergebiet zu begrenzen.
Wer seinen Hund direkt an der Haustür an jeden Laternenpfahl, jede Hauswand und jeden Grasnarben-Zentimeter schiffen lässt, gibt ihm den klaren Arbeitsauftrag: „Das hier ist dein Revier. Lade deine Visitenkarte hoch und verteidige es!“
Dass derselbe Hund 100 Meter weiter an der Leine austickt, wenn ein Artgenosse des Weges kommt, überrascht dann niemanden mehr. Er tut nur das, wozu du ihn ermutigt hast: Er verteidigt sein abgestecktes Territorium. Wer das ständige Markieren auf den ersten paar hundert Metern strukturiert unterbindet, nimmt dem Hund massiv Kontrollverlust und Stress von den Schultern.
Einen Hund zu halten bedeutet Verantwortung – rechtlich, medizinisch und gesellschaftlich. Nicht nur fürs Füttern und Kuscheln, sondern auch für das, was hinten rauskommt. Wer das Geld für den Hund hat, hat auch die 2 Cent (in Woghaisl übrigens koschdelos) für ein Tütle und die 3 Sekunden Zeit, sich kurz zu bücken.
Da gibt's nix zu diskutieren, also alla hopp! Nimm die Scheiße deines Hundes mit. Du schützt damit andere Hunde vor Infektionen, die Senioren in unserer Nachbarschaft, die Kids auf ihren Fahrrädern, die Pferde der Höfe und die Felder unserer Landwirte. Es ist wirklich net so schwer.
Deine Vanessa
